Rohbau: Kosten einfach berechnen & clever sparen

Knapp die Hälfte der Kosten eines Hausbaus fallen für den Rohbau an – Tendenz steigend. Im Vergleich zum Vorjahr ist bei den auflaufenden Kosten ein deutlicher Anstieg von 3,1 % für Rohbauarbeiten zu verzeichnen.

Ein Grund, das Einsparpotenzial mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Rohbau eines Gebäudes besteht im Wesentlichen aus der Tragkonstruktion, d. h. der Außenhülle des Eigenheims. 
  • Aufgrund des hohen Anteils der Rohbaukosten an den Gesamtkosten eines Neubaus liegt hier ein hohes Einsparpotenzial.
  • Bedeutende Summen lassen sich vor allem sparen, wenn der Neubau als Fertig- oder Modulhaus umgesetzt wird.

Welche Bestandteile umfasst der Rohbau?

In den ersten Wochen lassen sich auf der Baustelle vor allem Stahlbetonbauer, Maurer, Stahlbauer und Zimmerleute blicken, die folgende Arbeiten erledigen:

  • Fundament
  • ggf. Keller
  • Außenwände und (tragende) Innenwände
  • Schornstein
  • Geschossdecken
  • Dachstuhl 

Der Rohbau endet mit der Fertigstellung der genannten Arbeitsschritte in einer ersten Bauabnahme, die sicherstellt, dass die Statik den Normen entspricht. Damit ist der erste Meilenstein erreicht, der im Richtfest mündet.

Die Dacheindeckung, der Innen- und Außenputz sowie die Trockenbauarbeiten, der Einbau der Fenster und eventuell sogar einiger Treppen gehören hingegen zu einem erweiterten Rohbau. 

Rohbau: Kosten

Durchschnittlich entfällt fast die Hälfte der Gesamtkosten eines Neubaus auf den Rohbau. Wie hoch dieser Richtwert im Detail ist, ergibt sich zum einen aus der Größe und Beschaffenheit des Hauses, zum anderen aus der Berechnung der genutzten Materialien.

Die Kosten einzelner Posten werden in einem Betrag / m² Bruttogeschossfläche (BGF) angegeben. So errechnet sich der Preis für ein massives Mauerwerk wie folgt: etwa 100–150 € / m² BGF.

Angenommen, es fallen weitere Kosten für die Decken in Höhe von 15.000 €, Schornstein 5.000 €, tragende Innenwände etc. 15.000 € und den Dachstuhl für 25.000 € an, ergeben sich nach dieser Berechnung Rohbaukosten von in Summe 75.000 €.

Alles in allem gilt für den Rohbau die Faustformel: Je Quadratmeter Wohnfläche sind rund 500 € für die Rohbaukosten zu kalkulieren. Demnach kostet der Rohbau bei einem Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche 75.000 €.

Vorsicht: Bei vielen Hausangeboten wird der Preis ab Oberkante Keller angegeben. Eine Vollunterkellerung schlägt mit weiteren rund 30.000 € aufwärts zu Buche.

Alternative Berechnung der Rohbaukosten über den umbauten Raum

Alternativ zur Gesamtfläche ist eine Berechnung über den umbauten Raum (m³) möglich.

Da die Kosten in den Bundesländern sehr unterschiedlich sind, aktualisieren diese die Durchschnittspreise je m³ umbauten Raum immer wieder als Berechnungsgrundlage.

So fielen im Jahr 2018 in Bayern durchschnittlich 150 € / m³ an.

Spart-Tipps beim Rohbau

Trotz aller Richtwerte können Sie durch gezielte Maßnahmen die Rohbaukosten erheblich senken. 

Die Muskelhypothek – Kostensenkung durch Eigenleistungen

Wer selbst zu Walze und Farbe greift oder den Boden in Handarbeit verlegt, spart Kosten. Diese sogenannte Muskelhypothek wird allerdings oftmals überschätzt.

Durch die Eigenleistungen verlängert sich nicht nur die Bauzeit, sondern es entfallen auch Gewährleistungen bei Baumängeln.

Ob es sich also lohnt, 5 bis 10 % der Rohbaukosten zu sparen, sollte wohl überlegt werden.

Fertig- und Musterhäuser – günstige Preise durch Standards

Eine weitere Möglichkeit, Rohbaukosten gering zu halten, ist der Bau eines Fertig- oder Musterhauses bzw. seit Neuestem auch von Modul- oder Ausbauhäusern.

Durch die fertigen Konzepte sparen Sie Planungs- und Materialkosten, die bei einer individuellen Planung durch einen Architekten anfallen.

Das Positive an solch einem Konzept ist auch die verkürzte Bauzeit durch den hohen Vorfertigungsgrad.

Weniger Fläche = weniger Kosten

Wie sich gezeigt hat, ist die Fläche ein Hauptindikator der Rohbaukosten. Kostensparend wirkt sich somit auch eine kleinere umbaute Fläche aus. Wer kleiner baut und z. B. auf einen Keller verzichtet, kann ordentlich sparen. 

Materialien – Leichtbauwände statt Mauerwerk und der Verzicht auf Sonderwünsche

Leichte Trennwände im Inneren sind günstiger und verkürzen die Bauzeit um mehrere Wochen. Gleichzeitig steigt im Vergleich zum Massivbau die Flexibilität.

Sie können die Trennwände später auch noch je nach Ihren Bedürfnissen umsetzen. Da hier der Schallschutz im Vergleich zum Massivbau eher gering ausfällt, kommt diese Maßnahme nur für Einfamilienhäuser in Betracht.

Sonderwünsche wie eine Verkleidung mit Klinkern kostet Geld sowohl aufgrund des zusätzlichen Materials als auch wegen der Arbeitsleistung, da die Steine einzeln gemauert werden.

Optische Schmankerl wie beispielsweise ein Erker sind oft nicht unter 7–9.000 € zu haben. Die Kosten für Sanitäreinbauten, Fliesen oder Bodenbeläge variieren ebenfalls erheblich.

Fördergelder für nachhaltiges Bauen

Die KfW sowie andere staatliche und kommunale Stellen vergeben Fördergelder für besonders energieeffiziente Bauweisen und honorieren so das umweltfreundliche Bauen.

Durch den Zuschuss reduziert sich das nötige Eigenkapital im Optimalfall um mehrere Tausend Euro.

Hier sollte man vorab jedoch klären, inwiefern die Immobilie später selbst genutzt werden muss, um auch wirklich von den Fördergeldern profitieren zu können.