Mieten oder kaufen?

Wie wohnen Sie am besten?

Was ist besser: ein Haus zu kaufen oder es doch lieber zu mieten? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Trotzdem werden Sie zusammen mit uns eine Antwort finden. Dafür geben wir Ihnen die notwendigen Tipps und Beispiele an die Hand.

Haben Sie schon den Fehler gemacht und im Internet nach „Kaufen oder mieten“, „Haus kaufen oder mieten“ oder ähnlichen Begriffspaaren gesucht? Ein Klick und schon befinden Sie sich mitten in der leidenschaftlich geführten Debatte zwischen Befürwortern der Miet-Lösung und Befürwortern von Wohneigentum.

Das Problem dabei: Nur selten machen die Texte klar, auf welchen Voraussetzungen sie beruhen. Wenn Sie sich gerade frisch ins Thema einlesen, sind Sie genau an dieser Stelle verloren.

Was zum Beispiel, wenn Sie sich durch einen Text für die Miet-Lösung entscheiden, dieser Text allerdings auf einer Zielsetzung beruht, die für Sie gar nicht relevant ist?

Damit Sie in der Frage nach Kauf oder Miete nicht unter die Räder kommen, fangen wir wirklich am Anfang an und geben Ihnen mit,

Am Ende werden Sie das notwendige Rüstzeug zur Hand haben und wissen, wie Sie sich bestmöglich entscheiden können.

Denn klar ist, die Frage nach Miete oder Eigentum ist vor allen Dingen eine ganz persönliche. 

Drei Szenarien – Zielsetzungen hinter der Frage nach Kauf oder Miete

Der wichtigste Schritt zuerst. Bevor wir in die Diskussion um Miete oder Wohneigentum einsteigen, müssen wir unsere Zielsetzung klären. Was wollen Sie erreichen?

Auch das Projekt Eigenheim ist komplex und dementsprechend riskant. Gefahren lauern also nicht nur am Aktien-Markt.

Risikofaktoren beim Eigenheim sind u. a.:

  1. ein zu geringer Eigenanteil
  2. eine zu hohe monatliche Belastung aus Zins und Tilgung
  3. die Wahl der falschen Bauunternehmen
  4. Unterschätzung der Komplexität des Projekts Eigenheim
  5. Überschätzung des eigenen Könnens in puncto Eigenleistungen

Bauen Sie daher auf kompetente Unterstützung und finanzieren Sie mit der notwendigen Sicherheit.

Wissen Sie das noch nicht genau, sollten Sie das unbedingt klären. Ihre Entscheidung beeinflusst nämlich erheblich die Antwort darauf, ob sich Kauf oder doch Miete für Sie lohnt.

Also, welche Szenarien gibt es?

Emotionale Rendite: Der Traum vom Eigenheim

Ein Eigenheim zu besitzen, ist die Erfüllung eines Traums. Wohneigentum wird in diesem Fall zum „Häuschen im Grünen“ oder den „eigenen vier Wänden“. Es geht um Lebensqualität.

Das Eigenheim ist also in erster Linie eine Herzensangelegenheit und das Thema Finanzen erst in zweiter Linie wichtig, also ein notwendiges Übel auf dem Weg in die eigenen vier Wände. Die Finanzierung muss gelingen.

Anders ausgedrückt: Die emotionale Rendite, der Zuwachs an Lebensqualität, ist der entscheidender Faktor. Die finanzielle Rendite ist zweitrangig.

Die Frage nach Miete oder Kauf stellt sich nur insofern, dass der Kauf eventuell zu teuer wird und die Miete weiterhin als notwendiges Übel in Kauf genommen werden muss. Im Grunde genommen aber ist klar, die eigene Immobilie wird kommen.

Finanzielle Rendite: Betongold als Geldanlage

Das Eigenheim ist eine Form der Geldanlage unter vielen. Miete und Immobilie werden zu Rechenoperationen, die sich mit dem richtigen Modell eins zu eins gegeneiner aufrechnen lassen.

Besser ist nach dieser Betrachtungsweise diejenige Option, welche die höchste finanzielle Rendite ermöglicht. Damit wird auch die Miete finanziell interessant. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Sie das nicht ins Haus investierte Vermögen anders anlegen, beispielsweise also in Aktien.

Emotionale Rendite lässt sich in dieser Perspektive nicht nachvollziehen, da sie nicht in harten Zahlen auszudrücken ist. Die Frage nach Miete oder Kauf ist von Anfang an offen.

Auch das Projekt Eigenheim ist komplex und dementsprechend riskant. Gefahren lauern also nicht nur am Aktien-Markt.

Risikofaktoren beim Eigenheim sind u. a.:

  1. ein zu geringer Eigenanteil
  2. eine zu hohe monatliche Belastung aus Zins und Tilgung
  3. die Wahl der falschen Bauunternehmen
  4. Unterschätzung der Komplexität des Projekts Eigenheim
  5. Überschätzung des eigenen Könnens in puncto Eigenleistungen

Bauen Sie daher auf kompetente Unterstützung und finanzieren Sie mit der notwendigen Sicherheit.

Sparen: Monatliche Ausgaben reduzieren

Irgendwo in der Mitte zwischen den beiden obigen Szenarien werden Miete und Wohneigentum gegeneinander aufgerechnet.

Allerdings wollen Sie keine Rendite erwirtschaften, sondern die monatlichen Ausgaben auf ein Minimum reduzieren. Es geht also nicht um ein Investment, sondern um Ersparnis. Entscheiden Sie sich fürs Eigenheim, dann aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit, also des passenden Kaufpreis-Miet-Verhältnisses.

Gut ist die jeweilige Option dann, wenn sie zur geringsten finanziellen Belastung führt. Die Frage nach Miete oder Kauf ist auch hier von Anfang an offen.

Unabhängig der Finanzen – was Eigenheim und Miete für Sie bedeuten

Wenn Sie darüber nachdenken, ein Haus zu kaufen, sollten Sie sich auch überlegen, was es bedeutet, ein Haus zu besitzen. Vielleicht gibt es für Sie nämlich gewichtige Argumente, bei denen die Einsparung der Miete oder der Aufbau des eigenen Vermögens gar nicht im Fokus stehen.

Trotzdem können aber genau diese Argumente darüber entscheiden, ob ein Haus zu Ihrem aktuellen Lebensplan passt. Gerade mit Blick auf die emotionale Rendite sollten Sie diese Perspektive ganz genau im Blick haben.

Was also bedeutet der Besitz eines Hauses?

  • Ein hohes Maß an Selbstverwirklichung. Von der Planung des Hauses mit dem Architekten über die Arbeit am Bau bis hin zur Gestaltung des eigenen Gartens können Sie sich und Ihre Ideen einbringen.
  • Ein hohes Maß an Ortsgebundenheit. Mit dem Bau oder auch Kauf eines Hauses lassen Sie sich für viele Jahrzehnte an einem Ort nieder. Der Ort wiederum hat großen Einfluss auf die vorhandene Infrastruktur, also Verkehrsanbindung, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, aber auch darauf, wie lange Sie jeden Morgen pendeln müssen.
  • Viele Jahrzehnte mit Schulden leben. Durch die Tilgung des Kredits und dessen Zinsen müssen Sie über Jahrzehnte hinweig monatlich Geld an die Bank zahlen. Kommen beispielsweise Jobverlust, Scheidung oder Berufsunfähigkeit hinzu, steht unter Umständen Ihre finanzielle Existenz auf dem Spiel. Nicht jeder kann mit dieser Perspektive ruhig schlafen. 
  • Verantwortung für den Erhalt der Immobilie. Auch das eigene Haus wird alt oder kann durch unvorhergesehene Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen werden. Egal also, ob Alter oder Hochwasser, der Erhalt der Immobilie muss von Ihnen organisiert und vor allen Dingen auch finanziert werden.
  • Verantwortung für den Verkauf der Immobilie. Egal, ob geplant oder nicht, den Verkauf des Wohneigentums übernehmen Sie. So ein Verkauf kann je nach Lage der Immobilie sehr lange dauern, viel Aufwand kosten und eine finanzielle Doppelbelastung darstellen.
  • Den Lebensmittelpunkt im Alter bewahren. Wenn die Immobilie abgezahlt ist, stellt sie finanziell und vor allen Dingen emotional eine gute Form der Altersvorsorge dar. So können Sie im Alter sorgenfreier und bei richtiger Planung auch barrierefrei wohnen. Überhaupt werden Sie an einem Ort alt, an dem Sie zuvor viele Jahre gelebt haben.

Und wie sieht es bei der Miet-Lösung aus?

  • Mehr Flexibilität. Zumindest im Prinzip können Sie die aktuelle Mietwohnung kündigen und eine neue suchen. In der Praxis kann das je nach Lage der Mietwohnung aber schwierig werden, denn die Konkurrenz ist hoch.
  • Sie können frei über Ihr Geld verfügen. Zahlen Sie keine monatlichen Beträge an die Bank in Form von Zins und Tilgung, können Sie über diesen Betrag frei verfügen. Haben Sie dazu noch die nötige Disziplin, können Sie dieses Geld in den Vermögensaufbau investieren.
  • Sie geben Verantwortung ab. Kümmert sich der Vermieter um den Erhalt der Immobilie, können Sie sich den damit verbundenen Stress samt Kosten sparen. Gleichzeitig hängt die Pflege aber auch von der Sorgfalt des Vermieters ab, Sie sind ihm also ausgeliefert.
  • Selbstverwirklichung wird schwierig. Dazu gehören Umbauten, die Farbe der Wände oder auch der Besitz eines Haustiers. Es gibt eng gesteckte Freiräume, innerhalb derer Sie sich ausdrücken können.
  • Weniger Planungssicherheit für das Leben im Alter. Wie beschrieben können Sie frei über mehr Geld verfügen. Legen Sie das jedoch nicht an, zahlt dies auch nicht auf Ihr Vermögen ein. Der Gestaltungsspielraum für Ihr Leben im Alter wird damit wesentlich kleiner.

Im Ergebnis wird also vor allen Dingen eines klar: Mieten und Wohnen sind zwei ganz verschiedene Dinge. Keiner der genannten Punkte ist an sich ein Vor- oder Nachteil.

Hauskauf oder Miete ist zum großen Teil also eine Typfrage.

  • Lässt sich die Bindung an eine Region mit Ihrem Lebensentwurf vereinbaren?
  • Frisst das lange und umständliche Pendeln jede Lebensqualität?
  • Können Sie sich im Alter als Bewohner eines Altenheimes sehen?

Fragen wie diese müssen Sie sich stellen. Nehmen Sie sich dafür Zeit und spielen Sie die möglichen Szenarien durch.

Erstellen Sie eine Pro-und-Contra-Liste und seien Sie ehrlich zu sich. Welcher Typ sind Sie und wie viel emotionale Rendite hat die Option Eigenheim am Ende noch?

Vor- und Nachteile: Die finanzielle Seite des Eigenheims

In manchen Fällen sprechen also schon die eigenen Umstände, Lebensentwürfe und Vorlieben gegen das eigene Haus. Die finanzielle Seite, die Frage also, ob es zur Einsparung von Miete oder sogar als Anlageform taugt, spielt dann in der Praxis keine Rolle.

Ist das Haus aber eine Option für Sie, wird der Faktor Finanzen dann doch relevant. Pauschal ergibt sich ungefähr das folgende Bild:

Vorteile

  • Wertsteigerung: Bei entsprechender Lage ist mit einer Wertsteigerung der Immobilie zu rechnen. Natürlich ist auch das Gegenteil möglich, doch hat die Wertminderung je nach Szenario keine negative Auswirkung, kann im Falle einer Vererbung der Immobilie sogar von Vorteil sein.
  • Schutz vor Mieterhöhung: Das eigene Haus bietet Schutz gegen Mieterhöhungen und lässt eine recht hohe Kostensicherheit zu; vor allem bei einer soliden Planung Ihrer Baufinanzierung.
  • Nutzwert: Immobilien werden nicht nur besessen, sondern können auch bewohnt werden. Sie haben also neben dem finanziellen Wert auch einen Nutzwert. Investieren Sie in die notwendigen Maßnahmen, bleibt der Wert des Hauses gleich oder kann sogar gesteigert werden.
  • Förderungen: Der Bund, das Land, Kommunen und Kirchen fördern Eigenheime und reduzieren so die finanzielle Belastung. Je nach Bank kann so beispielsweise der Kredit vom Bund zu einem höheren Eigenanteil führen und damit die finanzielle Belastung reduzieren, die durch eine Baufinanzierung bei der Bank besteht.
  • Steuerersparnis: Wie bei den Förderungen gibt es auch bei der Steuerersparnis ganz verschiedene Möglichkeiten. So lassen sich beispielsweise Handwerker- und haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen. Andere Beispiele sind die steuerliche Ersparnis für das eigene Arbeitszimmer und die Möglichkeit, Kosten von Baumaßnahmen bei denkmalgeschützten Eigenheimen abzusetzen.

Nachteile

  • Kaufnebenkosten: In den Gesamtpreis der Immobilie fließen auch die oft vernachlässigten Nebenkosten ein. Darunter fallen u. a. Instandhaltungskosten, Grundsteuer, Gebühren für Müll und Abwasser, Versicherungen und Kosten für Strom, Wasser und Heizung. Wie hoch die Nebenkosten sind, hängt maßgeblich davon ab, ob Sie bauen oder kaufen, in welchem Bundesland Sie leben und welche Bauqualität Ihr Haus hat.
  • Kurzfristiger Verkauf schwierig: Selbst in guter Lage kann eine Immobilie nicht so schnell verkauft werden wie beispielsweise Aktien. Sie müssen also damit rechnen, dass Ihnen das Geld nicht kurzfristig zur Verfügung steht und eventuell eine finanzielle Doppelbelastung entsteht, wenn Sie während dieser Zeit andernorts zur Miete wohnen müssen.
  • Fehlende Risikodiversifizierung: Als Anleger gewinnen Sie Sicherheit durch Streuung. Verschiedene Anlageformen und die Investition in verschiedene Unternehmen reduzieren rein rechnerisch die Verlustrisiken. Beim Kauf oder Bau einer Immobilie fehlt genau diese Streuung.
  • Hohe Eigenkapitalquote: Bei einer soliden Finanzierung ist eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 % wünschenswert. Je nach anfallenden Kosten müssen Sie also mehrere Zehntausend Euro zur Verfügung haben. Das stellt eine nicht unerhebliche finanzielle Hürde dar.

Kaufpreis-Miet-Verhältnis | Die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie berechnen

Wann ist der Kauf von Haus oder Wohnung günstig im Vergleich zur Miete? Wann also lohnt sich mit Blick auf mögliche Einsparungen der Kauf einer Immobilie gegenüber der Miete?

Immobilien bewerten

Hier hilft das Kaufpreis-Miet-Verhältnis. Die Frage dahinter: Wie viele Jahres­-Nettokaltmieten muss ich aufwenden, um den Kaufpreis bezahlen zu können?

Die entsprechende Formal lautet:
Kaufpreis-Miet-Verhältnis = Kaufpreis / Netto-Kaltmiete für 1 Jahr

Beispiel:
Wohnfläche Wohnung: 100 m²
Kaufpreis: 345.000 Euro
Kaltmiete: 1.250 Euro

345.000 / 15.000= 23

Das Ergebnis ist also 23. Doch was bedeutet das für Sie, wenn es um die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Immobilie geht? Wie müssen Sie den Faktor bewerten?

Dafür gibt es eine einfache Faustformel:
bis 20: im Vergleich zur Miete rechnet sich der Kauf.
20 – 25: die Wirtschaftlichkeit der Immobilie ist zweifelhaft. Das Geschäft ist relativ riskant.
über 25: der Kauf ist im Verhältnis zur Miete teuer. Das Geschäft rechnet sich nicht.

Aus unserem Beispiel ergibt sich, dass der Kaufpreis das 23-Fache der Miete beträgt. Nach der obigen Regel ist der Preis also tendenziell relativ teuer. 

Wie der jeweilige Faktor bewertet wird, unterscheidet sich von Quelle zu Quelle. Dahinter stecken u. a. verschiedene Begriffe von Risiko, aber auch historische Veränderungen in der Bewertung.

Generell gilt: Je höher das Kaufpreis-Miete-Verhältnis, desto mehr spekulieren Sie als Käufer auf steigende Preise.

Werfen wir einen deutschlandweiten Blick auf die Wirtschaftlichkeit eines Immobilienkaufs, ergibt sich folgendes Bild:

Mietrendite berechnen

Das Verhältnis von Miete zu Kaufpreis erlaubt aber nicht nur eine erste grobe Einschätzung des Immobilienpreises. Sie können damit auch die eigenen vier Wände mit anderen Anlagen vergleichen.

Genau hier kommt die Mietrendite ins Spiel. Haben Sie das Kaufpreis-Miet-Verhältnis bereits ermittelt, lässt sich auch ganz einfach die Bruttomietrendite berechnen.

Die Formel für die Mietrendite lautet: (Jahresmiete * 100) / Kaufpreis.

Da wir Jahres-Nettokaltmiete und Kaufpreis aber bereits verrechnet haben, reicht: 100 / Kaufpreis-Miet-Verhältnis.

Auf unser Beispiel bezogen ergibt sich damit 100 / 23, also eine Mietrendite von ca. 4,35 %. Generell gilt: Je höher das Kaufpreis-Miet-Verhältnis, desto geringer ist die Rendite.

Die obige Rechnung ist jedoch noch ungenau, da nicht alle Kosten berücksichtigt werden. Bisher nämlich haben wir einzig mit der Brutto-Mietrendite gerechnet. Relevant für Ihren tatsächlichen Gewinn aber ist die Netto-Mietrendite.

Rechnen Sie die u. a.

  • Erwerbsnebenkosten (Notarkosten, Maklergebühren etc.)
  • Finanzierungsnebenkosten (Kontoführungsgebühren, Bereitstellungszinsen, Sondertilgungsgebühren etc.)
  • Instandhaltungskosten

mit ein, reduziert sich die Rendite entsprechend.

Wollen Sie nun wissen, ob sich Besitz oder Miete einer Immobilie aus finanzieller Sicht lohnt, müssen Sie nur noch die in Ihrem Fall gültige Netto-Mietrendite mit der Rendite anderer Anlageformen vergleichen.

Vermögensaufbau: Mieten oder kaufen langfristig gedacht

Ob das Verhältnis von Mietausgaben zu Kaufpreis oder die daraus errechnete Rendite: Beide Rechnungen haben einen Schönheitsfehler. Sie beziehen sich nämlich ausschließlich auf den aktuellen Zeitpunkt, lassen eine langfristige Betrachtung aber außer Acht.

Damit können Sie bisher nur den Kaufpreis einschätzen, nicht aber, ob Sie auch langfristig mit der gewählten Lösung gut fahren. Wir müssen uns also die Entwicklung mehrerer Jahrzehnte anschauen.

Genau hier werden die Dinge aber kompliziert.

Längere Betrachtungsphasen führen nämlich nicht nur dazu, dass neue Faktoren berücksichtigt werden müssen wie beispielsweise die Wertentwicklung einer Immobilie. Auch ergeben sich damit immer größere Interpretationsspielräume:

  • Stellt die neue Regierung die Mietpreisbremse ein?
  • Wie entwickelt sich der Zinssatz für die Anschlussfinanzierung?
  • Erben Sie während der Rückzahlung Ihrer Schulden an die Bank?
  • Haben Sie in Ihrer Baufinanzierung die Möglichkeit einer Sondertilgung?
  • Verliert das Viertel, in dem Sie wohnen, im Laufe der Jahre den Status als Szene-Viertel?
  • Lassen Sie sich während der Abzahlung der Schulden von Ihrem Lebenspartner scheiden?

Wollen Sie mit einem hohen Maß an Sicherheit berechnen, ob Miete oder Eigentum finanziell sinnvoller ist, müssen Sie klären, (1) welche Fragen relevant werden, und (2) diese so beantworten, dass sie dem Zustand der mehrere Jahrzehnte entfernten Zukunft entsprechen, also korrekte Prognosen anstellen.

Es geht also darum, die Zukunft zu modellieren. Hier aber gilt, dass „die Diskussion ‚Kaufen oder Mieten‘ immer auch ein Spiel mit Annahmen ist, die sich beliebig manipulieren lassen, bis sie das gewünschte Ergebnis liefern“, wie Christian Kirchner, Wirtschaftsjournalist bei Capital, schreibt. 

Heißt das also, dass wir Sie im Stich lassen und es für Sie keine Antwort auf die Frage kaufen oder mieten gibt?

Nein. Es gibt eine Möglichkeit: (1) Arbeiten Sie mit verschiedenen Szenarien und (2) prüfen Sie diese in Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit der darin getroffenen Annahmen.

Machen Sie also nicht den Fehler und fragen, ob Miete oder Besitz besser ist. Vielmehr fragen Sie sich jetzt, wann (also bei welchem Szenario) welche der Optionen besser ist.

Die Ergebnisse sind spannend.

Zwischen diesem Szenario
(der Käufer gewinnt im Rennen um den Vermögensaufbau)

Das auf folgenden Annahmen beruht: (1) Immobilienpreise und Mieten steigen auch in den nächsten Jahren, (2) die Zinsen für Ihre Baufinanzierung steigen geringfügig und (3) die Rendite bei der Geldanlage ist gering.

und dem nachfolgenden
(der Mieter gewinnt im Rennen um den Vermögensaufbau) 

liegen in der Hauptsache zwei veränderte Rahmenbedingungen:

  1. Ein hohes bis sehr hohes Kaufpreis-Miet-Verhältnis aufseiten des Käufers
  2. Eine hohe bis sehr hohe Rendite der Wertpapier-Geschäfte für den Mieter

Beide Szenarien sind möglich, Szenario 1 allerdings stellt heute die gängigste Annahme dar. Und das nicht nur für Otto Normalverbraucher, sondern ebenso für die Wissenschaft.

So beispielsweise die Studie „Implikationen der Niedrigzinsphase für die Wohneigentumsbildung“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.
Oder die im Auftrag von gif, DV und BID erstellte Studie „Wirtschaftsfaktor Immobilien 2017″

Im Ergebnis schneiden Sie nach dem aktuell vorherrschenden Szenario aus finanzieller Perspektive mit Wohneigentum besser ab als mit der Option Miete. 

Voraussetzung dafür sind allerdings:

  1. Die Immobilienpreise brechen nicht plötzlich ein.
  2. Der Kauf erfolgt zu einem vertretbaren Kaufpreis-Miet-Verhältnis.

Mieten oder kaufen – So finden Sie Ihre Antwort

Wir haben gefragt „Kaufen oder mieten – was lohnt sich für Sie?“ und gesehen, dass eine Antwort auf die Frage alles außer einfach ist.

Die Zinssätze für eine mögliche Baufinanzierung sind aktuell zwar niedrig, Eigentum ist damit aber nicht automatisch die bessere Wahl.

Was für Sie die bessere Option ist, hängt von zwei Dingen ab: erstens vom Warum Ihrer Frage (emotionale Rendite, finanzielle Rendite oder größtes Einsparpotenzial) und zweitens von Ihrer momentanen Situation.

Wenn Sie aber zumindest als Leitlinie eine pauschale Antwort suchen, dann gilt:

  • In vielen Szenarien ist der Kauf einer Immobilie finanziell vorteilhafter als Miete.
  • Dennoch gibt es auch Szenarien, in denen Sie als Mieter die Nase vorn haben.

Von hier kommen Sie dann mit den folgenden Schritten zu Ihrer ganz persönlichen Antwort:

  1. Klären Sie die Typ-Frage: So gewinnen Sie Sicherheit darüber, warum Sie über den Kauf einer Immobilie nachdenken. Nur so wissen Sie, welche Argumente für Sie wirklich wichtig sind. Seien Sie darüber hinaus auch ehrlich zu sich selbst, denn was nützt die Möglichkeit einer hohen Rendite über Wertpapiere, wenn Sie nicht die Disziplin für die dafür notwendigen fortlaufenden Investitionen haben?
  2. Prüfen Sie Ihre aktuelle Situation und Lebensplanung: Eventuell ergibt sich schon hier, dass eine der beiden Optionen gar nicht mehr zur Debatte steht. So fällt auch das günstigste Haus aus, wenn Sie sich beruflich nicht an einen Ort binden oder bei Schulden nicht ruhig schlafen können.
  3. Berechnen Sie das Mietpreis-Kauf-Verhältnis: So gewinnen Sie einen ersten Indikator für die Wirtschaftlichkeit der ausgewählten Immobilie. Und das ist auch dann wichtig, wenn Sie es vor allen Dingen auf die emotionale Rendite abgesehen haben. Auch hier sollte die Immobilie nicht überteuert sein, da ein Kauf sonst schnell riskant wird.
  4. Lassen Sie sich beraten: Verabreden Sie eine persönliche Beratung mit dem Ansprechpartner Ihres Vertrauens. So finden Sie am besten das passende Szenario und damit Ihre Antwort auf die Frage „Kaufen oder mieten – was lohnt sich für Sie?“.