Mehrgenerationenhaus

Was es ist, Vor- und Nachteile und wie Sie es geschickt finanzieren

In einem Mehrgenerationenhaus wohnen Menschen unterschiedlicher Altersstufen miteinander. Dabei ist das Zusammenleben innerhalb einer Familie ebenso möglich wie eine reine Zweck-WG, in der sich alle zusammen Gemeinschaftsräume teilen.

Dies dient primär dem Überwinden des vielseits benannten Generationenkonflikts, da Ältere und Jüngere den Alltag gemeinschaftlich meistern. Diese Wohnform gewinnt immer häufiger an Beliebtheit – und ist eine attraktive Möglichkeit zur Absicherung im Alter.

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem Mehrgenerationenhaus treffen Personen unterschiedlicher Altersgruppen aufeinander. Das bringt viele Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich.
  • Das Zusammenleben kann sowohl mit der eigenen Familie als auch fremden Menschen in WGs, getrennten Wohnungen oder Doppelhaushälften erfolgen.
  • Nicht zuletzt aufgrund verschiedener Fördermöglichkeiten ist das Mehrgenerationenhaus eine attraktive Absicherungsform fürs Alter.

Was ist ein Mehrgenerationenhaus

Grundsätzlich gibt es zwei Bedeutungen von Mehrgenerationenhaus:

  1. Menschen verschiedener Generationen begegnen sich in einer Hausgemeinschaft und teilen sich Gemeinschaftsräume. Das kann entweder die eigene Familie oder auch eine reine Zweck-WG sein.
  2. Seit 2003 ist der Begriff in Deutschland auch für offene Tagestreffpunkte gebräuchlich, die als Begegnungsstätten, Stadtteilzentren oder Familientreffs dienen.

Unabhängig von der Wohnform ist das Ziel eines Mehrgenerationenhauses die Bereicherung und Belebung des Alltags durch die Kommunikation der Generationen untereinander.

Natürlich darf dabei auch die gegenseitige Unterstützung nicht fehlen. So ist diese Wohnform vor allem für Menschen geeignet, die offen und willens sind, sich mit anderen Menschen tagtäglich auseinanderzusetzen.

Welche Formen von Mehrgenerationenhäusern gibt es?

Zum einen gibt es die Einrichtungen öffentlicher Träger, die staatlich über einen bestimmten Zeitraum subventioniert werden. Zum anderen kann im Prinzip jede/r privat ein eigenes Mehrgenerationenhaus gründen. 

Ob Kauf einer Bestandsimmobilie, ein Neubau oder eine Anmietung – letztlich entscheidet die anvisierte Wohnform und das Konzept darüber, wie die individuellen und gemeinschaftlichen Bereiche aufgeteilt sein sollen und welche Bauart geeignet ist.

Darüber hinaus sind die Klärung der finanziellen Mittel, potenzielle Finanzierungskonzepte und die Frage des Standortes ebenfalls von Bedeutung. Vor allem Letzteres will wohldurchdacht sein, da mit zunehmendem Alter die Mobilität nachlässt und eine Anbindung an den ÖPNV entsprechend wichtig sein kann.

Mehrgenerationenhaus: Förderung & Finanzierung

Eventuell findet sich eine Partei unter den Beteiligten, die die Rolle des Geldgebers und Bauherren übernimmt. Das reduziert das Konfliktpotenzial innerhalb einer Baugemeinschaft. Auch spart man sich bei einem einzigen Eigentümer den Aufwand für die Aufteilung im Grundbuch. 

Die Finanzierung erweist sich aufgrund der vergleichsweise hohen Baukosten für eine einzige Person jedoch oft als schwierig. Die Aufteilung der finanziellen Last auf mehrere Schultern ist dann eventuell die einzige Wahl– und hat trotz des großen Diskussionsbedarfes durch den höheren Eigenkapitalanteil durchaus auch Vorteile.

Kosten

Die Kosten für den Neubau eines Mehrgenerationenhauses setzen sich dabei aus drei Faktoren zusammen:

  • Kosten für das Grundstück, Grundbuch und weitere Nebenkosten
  • reine Baukosten und Baunebenkosten
  • laufende Kosten im Betrieb

Einige Musterhausanbieter haben sich bereits auf Mehrgenerationenhäuser spezialisiert. Hier lässt sich der Baupreis teilweise erheblich reduzieren, da beispielsweise geringere Planungskosten anfallen.

Wer Abstriche hinsichtlich der Gestaltung in Kauf nehmen kann, findet auf diese Weise eine praktikable Lösung. Dabei kann der Bezug einer Wohneinheit bzw. auch getrennter Einheiten innerhalb eines Hauses wesentlich günstiger sein als z. B. zwei getrennte Doppelhaushälften.

Förderung

Die KfW bietet verschiedene Förderprogramme an, die bei der Finanzierung eines Mehrgenerationenhauses eventuell interessant sind. Das sind z. B.:

Daneben unterstützen auch Bund, Länder und Kommunen sowie einige soziale Träger, Kirchen oder die Pflegekasse das Mehrgenerationenwohnen mit Zuschüssen und Fördermitteln.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Mehrgenerationenhaus?

 Vorteile  Nachteile
  • Alternative zu einer Alten- oder Pflegeeinrichtung für ältere Menschen
  • gegenseitige Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags, dem Einkaufen oder der Kinderbetreuung
  • bereits beim (Um-)Bau steht Barrierefreiheit im Fokus und das Haus ist altersgerecht nutzbar
  • Einsparung von Miet- und Nebenkosten durch das Zusammenlegen mehrerer Verträge
  • eventuell günstigere Baufinanzierung durch mehrere Bauherren und höhere Eigenkapitalquote
  • gute Kapitalanlage
  • Baufinanzierung für ältere Menschen eventuell schwieriger
  • Konfliktpotenzial durch unterschiedliche Weltanschauungen von Alt und Jung
  • höhere Bau- und Planungskosten
  • gemeinsames Austragen von Konflikten und Diskussionen notwendig
  • bei fehlender baulicher Trennung eventuell schwierige Teilung der Wohneinheiten im Grundbuch

Spätestens, wenn sich nicht ausschließlich Familienmitglieder unter einem Dach zusammenfinden, empfiehlt es sich, das Zusammenleben durch eine Rechtsform abzusichern. Das kann beispielsweise eine GbR, eine Wohneigentümergemeinschaft, der eingetragene Verein oder auch eine GmbH sein. 

Fazit | Mehrgenerationenhaus, eine Option für Sie?

Ein Mehrgenerationenhaus bietet viele Vorteile – sowohl aus sozialer wie auch aus finanzieller Perspektive. Die Wohnform trägt nicht nur zu einer Stärkung des intergenerationalen Zusammenlebens bei, sondern sichert durch die Immobilienanlage auch das Alter ab.

Finanzieren mehrere Personen das Projekt gemeinsam, ergeben sich im Optimalfall günstige Finanzierungskonditionen. Gleichzeitig stellen die KfW und andere Institutionen Fördergelder und Zuschüsse zur Umsetzung dieser attraktiven Lebensform bereit.